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Welt als geordnetes Ganzes
 

Einkanalfilm, 10:16 Min., HD, Stereo Audio

Skript, Spiel, Kamera, Schnitt: Raffaella Popp

Mentorat Sounddesign: Manu Gerber

2018

​Eine Frau in einem routinierten, häuslichen Alltag, in einer alltäglichen Vorstadt. Sie wäscht Kleidung, blickt aus dem Fenster, beisst in einen Apfel, steckt das Stromkabel in die Steckdose; die Filmbilder sind unaufgeregt und in der Handlung sowie Mise en scène stark reduziert. Statische Kameraeinstellungen ohne Schwenks und die teilweise minimale Bewegung im Bild verwischen die Grenze zwischen Stillleben und Bewegtbild. Denn das Medium Film lügt, spielt und (ver)leitet. Was zeigen Filmbilder wirklich, worauf verweisen sie? An welchen Zeichencodes orientiert sich das Publikum? Und siehst du dasselbe wie ich?

Ausgehend vom persönlichen Betroffensein über ein scheinbar unendliches Angebot an Bildern sowie deren semantische Vieldeutigkeit, stimuliert durch die Verbreitungsmedien, suchte ich nach Antworten. Ich explorierte mittels Recherche und in der filmischen Übersetzung verschiedene Strategien des Filmmediums im Spiel mit Referenzen und Bezugssystemen; ich untersuchte plurale und unzuverlässige Erzählungen, Pillow-Shots, Simulakren im Sinne Jean Baudrillards und ikonische Szenen der Filmgeschichte. Wie manipuliert ein Film die Sehgewohnheit des Publikums? Wann sind Filmbilder in ihrer Bedeutung so offen, dass die Imagination der Zuschauer*innen übernimmt und eigene Bezüge herstellt?
Die Frau wiederholt ihre Tätigkeiten mit leichten Abweichungen, bis die Erzählung dieses Mikrokosmos allmählich brüchig wird und mehrere Wirklichkeiten möglich werden. Der Blick aus demselben Fenster offenbart eine andere Ansicht, die Montage der Filmbilder löst räumliche und zeitliche Kontinuitäten auf. Die Filmbilder werden durchlässig in ihrer Bedeutung, koppeln sich von der Hauptfigur ab hin zum Makrokosmos der Welt, und sind schliesslich dem Publikum überlassen. Eine Filmarbeit über Orientierungslosigkeit, Bezugssysteme, Suggestion und Wahrheit.

Die Arbeit ist in mehreren Etappen über ein Jahr entstanden und ist eine Ein-Frau-Produktion.

© Raffaella Popp 2020

Alle Rechte für Bild, Text und Film vorbehalten.